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Rüssel

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Benedikt Rüssel

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Sa: 9 - 14 Uhr

ab 1. Juli 2017:
Mo - Fr: 9 - 18 Uhr
Sa: 9 - 14 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lesetipps im Frühjahr 2014



Ein überraschender Coup ist dem deutschen Taschenbuch-Verlag gelungen mit dem Roman „Wiedersehen auf Hannesford Court“ des englischen Autors Martin Davies. Unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg spielt diese Geschichte vor allem im Kreis junger Leute des englischen Landadels. Die jungen Männer, deren Leben vor dem Krieg aus nichts als Fuchsjagden, Tanzveranstaltungen, Liebeleien, Picknicks und Ausritten bestand, haben sich mit Begeisterung in das „Abenteuer“ des Krieges gestürzt. An der belgischen Front aber sind sie schwer verletzt, traumatisiert oder gleich getötet worden. Und die jungen Frauen, die sich auf Hannesford Court Jahr für Jahr auf die Sommerbälle vorbereitet hatten, stehen jetzt ohne Tanzpartner da. Das ist doch schade.
In diesem Milieu spielt die Geschichte eines unverletzt aus dem Krieg zurückgekommenen Gasts, der ein Rätsel zu lösen versucht. Während des letzten Rosenballs vor dem Krieg nämlich war auf der Terrasse von Hannesford Court vor aller Augen ein allseits verehrter Gast, ein deutscher Professor an einer Herzattacke gestorben.

Kein Krimi, aber doch immer spannender, je weiter das Buch veranschreitet – kein Downton Abbey, aber doch sehr viel von der Stimmung und den Charakteren der englischen Edel-TV-Serie.


Ein ausgezeichneter Schmöker – getragen von vielen und starken Dialogen und eindrücklichen Szenen.
Martin Davies, Wiedersehen in Hannesford Court, DTV EUR 14.90
 

Die wunderbare norwegische Krimi-Autorin Karin Fossum hat einen neuen Roman ihrer tollen Serie um den inzwischen erheblich alternden Kommissar Sejer geschrieben.
Es geht um den jungen Johnny Beskow, der soeben die Schule geschmissen hat. Seine Mutter liegt auf dem Sofa und trinkt, sein Vater ist seit längerem verschwunden. Und er selbst rast mit seiner roten Suzuki durch die Gegend und tyrannisert die Nachbarschaft mit üblen Streichen. Bis er auf Kommissar Sejer trifft, dann wird aus seinen makabren Scherzen blutiger Ernst, denn er hat sich das falsche Opfer gewählt.
Wie immer bei Fossum ein packender Kriminalroman, der uns von sozialen Außenseitern, von Verrohung, Abstumpfung und Gemeinheiten erzählt, mitten im ganz normalen Leben.
Karin Fossum, Eine undankbare Frau, Berlin Verlag Taschenbuch EUR 9.99

Und nochmals ein Roman, ein großartiger Roman aus dem Deutschen Taschenbuch Verlag: Stoner von John Williams.
Bereits in den 60er Jahren geschrieben, in den USA damals ein erfolgloses Buch, nie bisher ins Deutsche übersetzt – aber heute ein neuer Klassiker der modernen amerikanischen Literatur!
Stoner, ist der einzige Sohn eines Farmerehepaars im mittleren Westen, das von härtester Hände Arbeit mehr darbt als lebt. Aber sein Vater, der davon gehört hat, daß man neuerdings Landwirtschaft studieren kann, kratzt alles irgendwie verfügbare Geld zusammen und schickt Stoner an die Universität, in der Hoffnung, daß er mit neuem Wissen zurückkommt, was ihnen eine bessere Zukunft beschert.
Stoner aber wird eines Tages während einer Vorlesung mit Literatur konfrontiert, mit Dichtung. Mit einem Shakespeare-Sonett, das er nicht versteht, das ihn aber zutiefst fasziniert. Und er beginnt, Literatur zu studieren statt Agrikultur. Und er wird sogar, als während des 1. Weltkriegs die amerikanischen Universitäten sich leeren, zum Dozenten.
Er heiratet eine Frau, die er ebenso wenig verstehen wird, wie sie ihn und er bleibt fast sein Leben lang, was er war: ein versteinerter Mann (wie der Romantitel es sagt), ein Mann ohne rechtes Ziel, ohne Plan, ohne Willen und ohne Wunsch, den er zu verwikrlichen suchte. Er läßt über sich ergehen, was ihm widerfährt. Von Entscheidungen kann gar nicht wirklich die Rede sein, er nimmt die Verhängnisse, wie sie kommen. Selbst das Beste, was ihm passiert, hat nicht er gewählt.

Ein grandioser Roman, von hoher literarischer Qualität, innerer Dramatik, Kompromißlosigkeit und doch tiefer Empathie.
John Williams, Stoner  DTV 19.90 EUR